empfohlen von Irene Scheurer

Birgit Vanderbeke: Wer dann noch lachen kann

In ihrem neusten Roman springt Birgit Vanderbeke virtuos zwischen der Zeitebene der erwachsenen Erzählerin und ihrer Vergangenheit hin und her. Nach einem Autounfall leidet die Protagonistin unter chronischen Schmerzen. Erst Jahre später begibt sie sich in eine Therapie, die ihr augenblicklich hilft und Themen aus der Kindheit hochkommen lässt, die lange verschwiegen wurden. Sie merkt, dass der gewalttätige Vater und die tablettensüchtige Mutter, die auch die Tochter mit Medikamenten ruhigstellen will, tiefe Spuren hinterlassen haben und dass alles im Leben miteinander in Verbindung steht. Birgit Vanderbeke nähert sich mit diesem Buch ihrer eigenen Familiengeschichte, die sie mit dem ersten Teil „Ich freue mich, dass ich geboren bin“ begonnen hat und als dreibändigen Zyklus mit einem weiteren Teil im nächsten Jahr abschliessen wird.

 

Jehuda Bacon und Manfred Lütz: "Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden." Leben nach Auschwitz

Im Gespräch mit dem Psychiater Manfred Lütz erzählt der israelische Künstler Jehuda Bacon auf berührende Weise von seinen Erlebnissen im KZ, die er im Alter von 13 bis 16 Jahren gemacht hat. Tief beeindruckend am Schicksal von Jehuda Bacon ist, dass es ihm gelungen ist, trotz der entsetzlichen Erfahrungen, die er gemacht hat, an das Gute im Menschen glauben zu können. Er ist davon überzeugt, dass es in jedem Menschen einen unauslöschlichen Funken gebe. Im Gesprächsband erzählt er von Menschen und Situationen, die ihn wieder ins menschliche Leben zurückgeholt und es ihm ermöglicht haben, wieder Zuversicht zu schöpfen. Der Text ist ein faszinierendes Zeugnis, wie es einem Menschen, der das Schlimmste erlebt hat, was Menschen einander antun können, gelungen ist, nicht daran zu zerbrechen; er hat den Funken durch seine ganze Existenz zum Leuchten gebracht.

 

Cowspiracy. Das Geheimnis der Nachhaltigkeit

Die DVD, die bei mir in den letzten Monaten unbestritten am meisten Nachhall hatte, ist der Dokumentarfilm „Cowspiracy“. Er thematisiert die verheerenden Auswirkungen der industriellen Viehwirtschaft auf unseren Planeten. Gemäss eines offiziellen Berichts des Worldwatch Institutes geht hervor, dass weltweit mehr als die Hälfte aller in der Erdatmosphäre freigesetzten Treibhausgas-Emissionen durch Nutztiere verursacht werden und lediglich 13 Prozent auf den Transportsektor entfallen. Wie ist es möglich, dass der Klima-Killer Nummer 1 auch bei namhaften Umweltschutzorganisatoren nicht thematisiert wird?!

Ein Film, der einen zwingt, den eigenen Fleischkonsum zu überdenken.