empfohlen von Petra Schweizer

Isabell May: Close to you (für Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren)

Violet und Aiden fühlen sich von ihren Eltern und Freunden missverstanden, verraten und alleingelassen. In sich selbst zurückgezogen haben beide grosse Mühe, anderen zu vertrauen und sich zu öffnen. Um vor ihren Problemen zu fliehen, bewirbt sich Violet an einem weit entfernten College und Aiden kapselt sich von seiner Umwelt ab. Doch die Angst und die Wut lassen sich nicht so einfach abschütteln.

Violet getraut sich kaum unter Menschen. Sie fühlt sich verfolgt und leidet unter schweren Panikattacken. Trotz seiner feindseligen und wortkargen Art fühlt sie sich zu Aiden hingezogen. Es entsteht eine komplizierte Beziehung, in der sich keiner dem anderen öffnen will. In ihrem Versuch, dem anderen zu helfen, finden sie langsam zu sich selbst und entdecken den Mut, sich ihren Problemen zu stellen.

Mit "Close to you" hat Isabell May einen wunderschönen, romantischen Collegeroman geschrieben. Es ist eine feinfühlige Geschichte darüber, was passiert, wenn junge Menschen ihren Rückhalt und ihr Vertrauen verlieren.

Colleen Hoover & Tarryn Fisher: Never never (Jugend 13 bis 16 Jahre)

Charlie und Silas möchten sich nur zu gern daran erinnern, wie es sich anfühlt, einander zu lieben, aber sie haben jede Erinnerung an ihre bisherige Beziehung und auch an ihr ganzes Leben verloren. Sie wissen weder wo, noch wer sie sind.

Gemeinsam versuchen sie, das Rätsel um ihren gemeinsamen Erinnerungsverlust zu lösen. Doch es ist nicht einfach, sich seiner eigenen und doch so fremden Vergangenheit zu stellen und zu erkennen, wer man war und wie einem die anderen gesehen haben. Es stellt sich die Frage, will man sich überhaupt an alles erinnern? Will man wieder Charlie und Silas sein? Und was hat der Streit zwischen ihren Familien mit der ganzen Sache zu tun? Wieso sitzt Charlies Vater im Gefängnis und weshalb ist sie bei Silas zu Hause nicht mehr willkommen?

Doch gerade als sich das Puzzle langsam zusammensetzt, geschieht es wieder und dieses Mal ist Charlie verschwunden.

Mit diesem Jugendroman ist Colleen Hoover in Zusammenarbeit mit Tarryn Fisher erneut ein Meisterwerk gelungen. Die romantische Story ist packend bis zum Schluss und macht Lust auf mehr.

Karls Olsberg: Boy in a white room (Jugend 13 bis 16 Jahre / nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis)

Wo bin ich? Dies ist sein erster bewusster Gedanke. Ein Junge wacht in einem weissen Raum, ohne Fenster und Türen auf. Er hat keine Erinnerung an sich selbst. Er kann weder fühlen noch riechen und wenn er spricht, erklingt eine emotionslose Computerstimme.

Sein einziger Kontakt zur Aussenwelt ist eine weibliche Stimme, die sich als Alice vorstellt und mit deren Hilfe er sich frei im Internet bewegen kann. Stück für Stück findet Manuel heraus, wer er ist und was mit ihm passiert ist. Er erfährt von der missglückten Entführung, bei der er lebensgefährlich verletzt wurde und lernt seinen Vater kennen, der sein schwer beschädigtes Gehirn mithilfe von Computertechnologie zu retten versucht.

Doch was ist das für ein Leben, in dem andere uneingeschränkte Macht über ihn haben? Wenn alles, was er sieht, von anderen programmiert wird, was ist dann real? Wem kann er trauen? Existiert überhaupt irgendetwas von dem, was er glaubt, und wer ist Manuel eigentlich wirklich? Nur eines ist für ihn ganz klar: Ich denke, also bin ich.

Karl Olsbergs Roman "Boy in a white room" ist zu recht für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Es ist ein packender Thriller, der sich auf philosophische Weise mit den Gefahren und den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz beschäftigt.